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Technologievermarktung mit dem IBB TEF

Fragen zum Thema IBB Technologie-Entwicklungs-Fonds beantwortete Dr. Dirk Dantz, Geschäftsführer der ipal GmbH.

Dr. Dirk Dantz, Geschäftsführer der ipal GmbHBerlin ist einer der innovationsstärksten Standorte Europas mit einer unvergleichbaren Dichte an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Erfindungen und Forschungsergebnisse sind die Basis für nachhaltiges Wachstum und liefern immer mehr Unternehmen Argumente, um sich in Berlin an zu siedeln. Unternehmen können vom Berliner Know-how profitieren, indem sich Wissenschaft und Wirtschaft vernetzen. Marktnahe Technologien tragen dazu erheblich bei. Doch oft fehlen noch ein paar Schritte zur Marktnähe und es mangelt an der Finanzierung von notwendigen Weiterentwicklungen, um die Vermarktungschancen von Technologien zu erhöhen.. Ein Weg ist der neue IBB Technologie-Entwicklungs-Fonds (IBB TEF), der diese Lücke für Berliner Erfindungen schließt, indem bspw. Prototypen, Machbarkeitsstudien oder Wirksamkeitsnachweise finanziert werden. Alle Erfindungen, die dem Berliner Patent- und Technologievermarkter ipal gemeldet werden, kommen für ein Investment aus dem IBB TEF in Betracht.

Der neue Technologie-Entwicklungs-Fonds soll mit 10 Millionen Euro Investitionssumme die Kluft zwischen am Markt vorhandenem Interesse und jetzigem Entwicklungsstand der Technologien durch Weiterentwicklungen schließen. Was heißt das genau und welche Erfindungen kommen für den Fonds in Betracht?

Dr. Dantz: Wir bekommen jährlich ca. 150 bis 180 Erfindungsmeldungen von den mit uns kooperierenden Hochschulen und Forschungsinstituten. Darunter sind oftmals äußerst interessante Erfindungen, die sich jedoch in einem sehr frühen Stadium ihrer Entwicklung zu einer marktreifen Technologie befinden. Wir rechnen damit, dass wir bei ca. 10 Prozent aller Erfindungsmeldungen dem Fonds empfehlen können, Investitionen in Weiterentwicklungsmaßnahmen zu tätigen. Die positive ökonomische, technische und juristische Bewertung durch unsere Analysten ist dafür eine der wichtigsten Voraussetzungen. Durch die individuelle Prüfung jeder einzelnen Erfindungsmeldung nach qualitativen Bewertungskriterien werden Vermarktungspotenziale und Möglichkeiten, die in einer Weiterentwicklung liegen, festgestellt. Für das einzelne Projekt steht uns dann eine Investitionssumme von durchschnittlich 200.000 Euro zur Verfügung.

Welche Rolle spielt ipal bei dem IBB Technologie-Entwicklungs-Fonds?

Dr. Dantz: ipal ist der Patent- und Technologievermarkter der Region Berlin, denn bei uns laufen alle Erfindungsmeldungen der Berliner Hochschulen und ausgewählter Forschungsinstitute ein. Gut drei Viertel des ipal-Teams hat einen wissenschaftlichen Hintergrund im Bereich Life Science und Physics/Engineering und bringt Erfahrungen im Patent- und Technologiemanagement mit. So können wir Erfinder, Hochschulen und Forschungseinrichtungen optimal bei der Technologievermarktung unterstützen. ipal ist damit prädestiniert; als Partner des Fonds die Verantwortung für diesen neuen nachhaltigen Weg zu übernehmen. Konkret prüfen wir vorliegende Erfindungen nach strengen Kriterien auf Eignung für den Fonds, zum Beispiel auf bestehende Verwertungshindernisse, Machbarkeit, Chancen- und Risiken-Verhältnis und Exit-Perspektive. Die Selektion erfolgt durch ipal sowie durch externe Gutachter. Die endgültige Entscheidung für einen Ankauf durch den Fonds trifft die Fondsgesellschaft, die dafür noch eine sog. Second Opinion einholt. Im Rahmen der Weiterentwicklung verantwortet ipal die Projektsteuerung und –überwachung und kümmert sich um die anschließende Vermarktung.

Wie können sich Erfinder für Investitionen in Weiterentwicklungsmaßnahmen aus dem Fonds bewerben?

Dr. Dantz: Die ipal prüft alle eingehenden Erfindungsmeldungen sorgsam auf ihr Patentierungs- und Vermarktungspotenzial. Sobald sich bei der ökonomischen und technischen Prüfung abzeichnet, dass durch zielgerichtete Weiterentwicklungsmaßnahmen die Technologien für unsere industriellen Partner attraktiver werden, beginnt ein gemeinsamer Abstimmungsprozess mit dem Fonds über die konkrete Weiterentwicklung, offene Fragen und mögliche Kooperationen – besonders wichtig ist dabei die Verfügbarkeit aller Rechte und Daten. Auch unser aktuelles Portfolio wird auf Eignung für Weiterentwicklungsmaßnahmen gescreent. Geplant ist, gemeinsam mit dem Fonds bis zu fünf Projekte im Jahr auf die Bann zu bringen. Der Entwicklungszeitraum soll ein bis zwei Jahre nicht überschreiten.

Um ausgewählte Projekte zu fördern, muss der Schutzrechtsinhaber seine Rechte an der Erfindung dem TEF veräußern. Was ist der Grund dafür?

Dr. Dantz: Der Fonds erwirbt die Schutzrechte, um durch gezielte Weiterentwicklung die Vermarktungschancen der Technologie zu erhöhen. Verhandlungen können vereinfacht werden und Investitionen werden zeitnah und direkt umgesetzt. Durch den Verkauf eines Schutzrechts an den Fonds bietet sich für den Schutzrechtsinhaber die Chance, von einer Sofortzahlung zu profitieren und in die finanzierte Weiterentwicklung weiterhin mit einbezogen zu sein. Zusätzlich werden prozentuale Beteiligungen am Vermarktungserfolg vereinbart.

Was haben Unternehmen davon, eine Technologie des TEF einzulizenzieren oder zu kaufen bzw. mit der ipal und dem Fonds zusammenzuarbeiten?

Dr. Dantz: Unternehmen gehen mitunter hohe Risiken bei der Einlizenzierung externer Schutzrechte ein. Durch zielgerichtete finanzierte Weiterentwicklung, z.B. Prototypenbau oder Wirksamkeitsnachweise, wird das Risiko minimiert. Aus der Erfahrung der letzten Jahre wissen wir, dass die Industrie durch unseren Zugang zum Know-how renommierter Berliner Hochschulen und Forschungsinstitute gerne mit uns zusammenarbeitet. In vielen Fällen konnten Unternehmen durch neue Technologien ihre Markt- und Wettbewerbsposition verbessern und neue Geschäftsfelder erschließen.